Uwe L. der Unternehmer

Die unsicheren werden selbstbewusst

Ein guter Unternehmer hat gute Mitarbeiter. Die baut er auf um auf sie bauen zu können. Er kennt ihr Potenzial und ihre Schwächen. Er lobt sie, wenn er loben kann. Und – mit das Wichtigste: er motiviert sie dazu, sich zu verändern. Dabei bleibt er selbst nicht stehen. Er lässt sich auf Neues ein und entwickelt sich weiter. Das ist Uwe L..

„Ich bin derjenige, der erst mal zeigt, was er kann – und dann mehr fordert“, sagt er. Uwe ist 44 Jahre alt und arbeitet als Ausbildungsleiter für ein großes Unternehmen im Energie- und Transportbereich. Das, was er kann, zeigt er seinen 144 Auszubildenden. Er begleitet die jungen Menschen auf dem Weg ins Berufsleben, ist Ansprechpartner und gerne auch Vorbild. Was er fordert, ist Zuverlässigkeit, Fleiß und die Bereitschaft zur Veränderung.

Verändern sich seine Zöglinge, ist er stolz auf sie und auf sich. „Es ist der Wahnsinn, zu sehen, was aus denen wird!“ sagt Uwe begeistert.

„Sie kommen mit 16 zu uns in die Ausbildung. Mit 19 sind sie fertig und haben eine riesige persönliche Entwicklung durchgemacht, sich von Grund auf verändert.“ Die Introvertierten kommen aus sich heraus. Die unsicheren werden selbstbewusst. Diejenigen, die sich selbst überschätzen, sind der Realität ein Stück näher. Vor allem Auslandsaufenthalte würden die Entwicklung vorantreiben. „Der Kontakt mit einer anderen Kultur ist eine große Bereicherung für sie“, sagt Uwe. „Zu sehen, dass man Probleme auch ganz anders angehen und lösen kann, dass viele Wege nach Rom führen, das ist eine wichtige Erfahrung.“

Innehalten ja – stillstehen nein

Stillstand bedeutet für Uwe Rückschritt. Veränderung, Entwicklung – das heißt Bewegung. Ein kurzes Innehalten ist erlaubt, ja, sogar essenziell. „Wenn man etwas verändert hat, macht es Spaß, kurz innezuhalten, um den Prozess des Einschwingens zu beobachten“, sagt Uwe. Die Ergebnisse der ersten Veränderung müssen abgewartet werden. „Dann allerdings muss etwas Neues kommen, um das Innehalten nicht in Stillstand zu verwandeln.“

Uwe hat nicht damit gerechnet, einmal da zu landen wo er heute steht. Als Kind hatte er etwas ganz anderes für seine Zukunft geplant. Zur GSG9 wollte er, oder zum Bundesgrenzschutz. „Ich habe es mir toll vorgestellt, mich irgendwo abzuseilen oder ein Gebäude zu stürmen.“ Seine Bewerbung bei der Polizei wurde al- lerdings abgelehnt. Leider? „Es war ein Versuch, und ich bin froh, dass ich ihn gewagt habe“, sagt er. „Nachdem man mich bei der Polizei abgelehnt hat habe ich mich erst mal gesammelt, gefasst und überlegt. Dann habe ich mich auf etwas neues eingelassen.“

Alles ausprobieren – nichts ausschließen

Das ist es auch, was Uwe seinen Auszubildenden mit auf den Weg zu geben versucht: Sie sollen lernen, Veränderungen und Entwicklungen, die das Leben ganz automatisch bereit hält, nicht nur einfach zu akzeptieren. „Sie sollen vielmehr aktiv mitmachen, sie gestalten“, sagt er. „Alles ausprobieren, nichts von vornherein ausschließen. Neugierig bleiben und niemals aufhören zu lernen. Das ist die Basis einer positiven Entwicklung.“

Illustration von Uwe L.
Uwe L. – der Unternehmer

Haben Sie eine Lieblingstasse im Büro?
Nein, ich nehme immer irgendeine.

Was war die erste Arbeit, die Sie für Geld erledigt haben?
Rasen mähen und Unkraut zupfen bei den Eltern. Später Zeitungen austragen.

Was ist der rührendste Gegenstand, den Sie im Geldbeutel mit sich herumtragen?
Ein Foto von meiner Frau.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Ich wollte zum Bundesgrenzschutz oder zur GSG 9.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ehrlich gesagt: da wo ich jetzt bin. Hier kann ich das bewegen, was ich bewegen will – ohne meinen Charakter verändern zu müssen